Momoko Tanikawa setzt im Trikot des FC Bayern München zum Schuss an.

„Momoko wird mit jedem Spiel besser werden“

Unter Alexander Straus war Momoko Tanikawa in ihrer ersten Saison beim FC Bayern München noch eine spannende Ergänzungsspielerin. Bei José Barcala steht die junge Japanerin in ihrer zweiten Bundesliga-Spielzeit inzwischen meist in der Startelf. „Momoko ist eine herausragende Spielerin mit unglaublichem Potenzial“, sagt der aktuelle Cheftrainer der Bayern-Frauen über die 20-Jährige, die er in nächster Zeit vermutlich oft defensiver einsetzen wird, als bei ihrer Verpflichtung ursprünglich angedacht.

Francisco De Sá Fardilha sparte bei ihrer Vorstellung im Januar 2024 nicht an Vorschusslorbeeren: „Momoko Tanikawa ist eine der besten Nachwuchsspielerinnen weltweit.“ Eigentlich sei sie eine offensive Mittelfeldspielerin, dabei aber so flexibel, dass sie auch im Angriff jede Position auf dem Feld übernehmen könne, erklärte der Technische Leiter der Bayern-Frauen damals.

Inzwischen hoffen sie im Verein, dass Tanikawas Vielseitigkeit vielleicht sogar noch weiter reicht. Denn während man vorne einige Alternativen zur Verfügung hat, klafft im defensiven Mittelfeld nach den Ausfällen von Sarah Zadrazil und Lena Oberdorf (beide Kreuzbandriss) neben Georgia Stanway eine Lücke. Ob und wie Tanikawa diese schließen kann, muss sich zeigen. 

Bayerns Chefcoach José Barcala traut ihr jedenfalls einiges zu. „Momoko ist noch sehr jung und kann bereits jetzt so enorm gut mit Druck umgehen, wenn sie den Ball hat. Sie ist für unsere Gegner unberechenbar und findet selbst unter Druck Lösungen, die ihre Gegenspielerinnen meist nicht vorhersehen können“, ließ der Spanier, von 11frauen.de nach Tanikawa gefragt, mitteilen.

„Eines der größten Talente im Frauenfußball“

Dass eine junge hochtalentierte Fußballspielerin Beachtung findet, ist verständlich. Bei Tanikawa ist jedoch interessant zu beobachten, wer ihr alles Anerkennung und Respekt entgegenbringt. Zum Beispiel Caroline Seger, mit 240 Länderspielen lange Zeit europäische Rekordnationalspielerin. Die schwedische Fußball-Ikone sagte nach einer gemeinsamen Saison beim FC Rosengård über die 20 Jahre jüngere Tanikawa: „Ich glaube nicht, dass es eine bessere Fußballspielerin gibt.“

Pernille Harder wiederum – „Europas Fußballerin des Jahres“ 2018 und 2020 – wurde nach einem Pokalspiel des FC Bayern zu ihrer jungen Teamkollegin befragt, woraufhin ihr der Satz „Sie ist Weltklasse“ entfuhr. Harder korrigierte ihre Aussage zwar kurz darauf zu „Sie wird Weltklasse sein“, doch das änderte nichts mehr. Die „Weltklasse“ blieb hängen. Auch der damalige Cheftrainer der Münchnerinnen, Alex Straus, fand bei der Vorstellung von Tanikawa Anfang 2024 klare Worte: „Sie ist eines der größten Talente im Frauenfußball.“

Wie recht Straus damit wohl hatte, zeigte sich als der FC Bayern die 18-Jährige im Anschluss an den schwedischen Klub FC Rosengård verlieh. Tanikawa hatte bis dahin für die JFA Academy Fukushima gespielt, ein renommiertes Nachwuchsprogramm des japanischen Fußballverbandes. Nach ihrem Umzug nach Malmö übersprang sie scheinbar mühelos die Phase der Gewöhnung an den europäischen Fußball und schoss den FC Rosengård mit 16 Toren und drei Vorlagen an der Seite von Caroline Seger zum Meistertitel.

Am Ende der Saison wurde Tanikawa mit 19 Jahren zur besten Mittelfeldspielerin der schwedischen Liga gekürt und bedankte sich zum Abschied höflich bei ihren Mitspielerinnen: „Dass alle um mich herum so gut sind, ermöglicht es mir, ebenfalls auf hohem Niveau zu spielen.“

Ein Satz, der nur darauf wartete, beim FC Bayern wiederverwertet zu werden. Dort aber verhinderte die starke Konkurrenz zunächst, dass Tanikawa ihre Qualität auf dem Rasen unter Beweis stellen konnte. Stanway, Zadrazil, Zigiotti Olme, Lohmann und Alara – Bayerns Mittelfeld war voll besetzt mit prominenten Namen als Tanikawa aus Malmö nach München kam. Wenig später stieß auch noch die Italienerin Arianna Caruso dazu.

Momoko Tanikawa bejubelt ihr Tor zum 3:1 im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Frankfurt.
Momoko Tanikawa bejubelt ihr Tor zum 3:1 im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Frankfurt. Foto: IMAGO / Sven Simon

Gala-Auftritt im Pokal

Im Februar 2025 gab Tanikawa gegen Hoffenheim ihr Pflichtspieldebüt für Bayern. Drei Tage später folgte ihr Gala-Auftritt im Pokal, nach dem Harder sie mit dem Prädikat „Weltklasse“ adelte. Der FC Bayern lag im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Eintracht Frankfurt mit 0:1 zurück als Tanikawa in der 85. Minute eingewechselt wurde. Die Münchnerinnen retteten sich dank eines Tores von Jovana Damnjanović in die Verlängerung. In der bereitete Tanikawa mit einem wilden Dribbling an drei Gegnerinnen vorbei das 2:1 vor und erzielte anschließend mit einem fantastischen Linksschuss aus 20 Metern das 3:1.

Die Fans waren hingerissen, doch Tanikawa blieb unter Alexander Straus weiter meist nur die Option von der Bank. Im Champions-League-Rückspiel gegen Olympique Lyon durfte sie mal durchspielen. Das Spiel ging 1:4 verloren, Tanikawa verletzte sich am Sprunggelenk und fiel wochenlang aus. 

Pünktlich zum hochdotierten Kleinfeldturnier „World Sevens Football“ im portugiesischen Estoril war sie jedoch wieder einsatzbereit. Während sich viele Bayern-Stars vor der EM lieber schonten, präsentierte Tanikawa beim Sieben-gegen-Sieben auf engstem Raum ihre herausragenden Fähigkeiten: Technik, Geschmeidigkeit, Beidfüßigkeit und Abschlussstärke. Sie schoss die meisten Tore und wurde zur besten Spielerin des Turniers gewählt. Es war eine Art Abschiedsparty für Alexander Straus. Der Norweger verließ die Bayern im Anschluss, um Cheftrainer des Angel City FC in den USA zu werden. 

Arbeit an der Kommunikation auf dem Platz

Unter seinem Nachfolger José Barcala machte Momoko Tanikawa in der neuen Saison den Schritt zur Startelf-Spielerin. „Ihre Entwicklung ist beeindruckend“, sagt Barcala über die junge Japanerin. „Gleichzeitig gibt es verschiedene Aspekte, an denen wir mit ihr ganz konkret arbeiten, um ihr zu helfen, noch besser zu werden.“ Etwa an ihrer Kommunikation auf dem Platz, damit sie künftig in die Rolle einer Führungsspielerin hineinwachsen könne, „die nicht nur selbst spielerisch herausragt, sondern auch die Teamkolleginnen um sich herum hochzieht“.

In den ersten zehn Ligaspielen der aktuellen Saison schoss Tanikawa drei Tore. Wo noch Entwicklungspotenzial liegt, wurde beim 4:1 gegen Essen deutlich, als das Top-Talent das Gegentor mit einem schludrigen Pass in die Füße von SGS-Stürmerin Ramona Maier einleitete. Ein Patzer, der gegen das Schlusslicht der Liga für Bayern zu verschmerzen war, gegen die meisten Gegner in der Champions League aber teuer werden dürfte.

Chefcoach Barcala vertraut auf die Entwicklungsfähigkeit seiner jungen Nr. 18: „Sie wird mit jedem Spiel, das sie in der physisch und taktisch anspruchsvollen Bundesliga macht, dazulernen und besser werden.“ Dafür wolle man ihr in München auch die nötige Spielzeit geben.

Titelfoto: IMAGO / HMB-Media

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