Wer ist eigentlich Sarah Mattner-Trembleau? Diese Frage dürften sich viele Fans des DFB-Frauenteams gestellt haben, als Bundestrainer Christian Wück die 22-Jährige für die verletzte Giulia Gwinn nachnominierte. Dass ihr Name hier bislang wenig bekannt ist, hat einen einfachen Grund: Mattner-Trembleau, die meist nur unter Mattner firmiert, hat noch nie bei einem deutschen Verein gespielt.
Sie hat ihre gesamte bisherige Karriere in Österreich verbracht und steht aktuell beim dortigen Serienmeister SKN St. Pölten unter Vertrag. Vor der Saison verließ dessen langjährige Trainerin Liése Brancão den Verein Richtung Hamburger SV und nahm gleich mehrere Spielerinnen dorthin mit. Insgesamt musste St. Pölten vor dieser Spielzeit 17 Abgänge verkraften. Sarah Mattner gehörte nicht dazu.
Eine Karriere abseits der deutschen Bundesliga
Die Tochter einer Französin und eines Deutschen ist in Wien geboren und hat dort mit sieben Jahren beim First Vienna FC mit dem Fußballspielen begonnen. Schon mit 14 Jahren lief sie zum ersten Mal für die erste Mannschaft auf – zunächst in der dritten Liga, später in der zweiten und schließlich in der höchsten österreichischen Spielklasse.
Trotz früher Angebote aus dem Ausland, darunter laut dem Kicker auch eines des FC Bayern München, entschied sich Sarah Mattner zunächst dagegen, Wien zu verlassen. Sie wollte erstmal ihre schulische Ausbildung beenden und blieb ihrem Verein treu.
Zwischen Medizin-Studium und Champions League
Mit 19 wechselte sie schließlich nach St. Pölten. Dort war man hartnäckig an ihr dran geblieben und bot ihr eine Möglichkeit, die sie bei anderen Vereinen nicht sah: Sarah Mattner pendelt bis heute zwischen Wien und St. Pölten, um neben dem Profifußball Medizin zu studieren.
Damit das möglich sei, brauche man „das richtige Umfeld“, sagt die 22-Jährige und das biete ihr der SKN. So dürfe sie zu Champions-League-Spielen auch mal einen Tag später anreisen, wenn Prüfungen anstünden und die Trainingszeiten seien angepasst worden. „Anders würde ich es nicht schaffen“, erklärte sie gegenüber dem Online-Portal „90minuten.at“. Natürlich sei trotzdem viel Organisation und Disziplin nötig.
„Ich bin Fußballerin und Medizinstudentin. Und ich bin froh, dass ich in St. Pölten beides machen kann“, erzählte sie im österreichischen Podcast „Kick it like Women“.
Zwei Pässe, aber kein österreichischer
Mit St. Pölten hat Sarah Mattner in Österreich schon zweimal das Double aus Meisterschaft und Pokal gewonnen. Kein Wunder, dass sie als gebürtige Wienerin immer wieder gefragt wird, ob sie sich nicht vorstellen könne, für die österreichische Nationalmannschaft aufzulaufen. Ganz ausgeschlossen hat sie das öffentlich bisher nicht.
Aber Mattner spielt seit der U16 für deutsche Auswahlmannschaften. Außerdem fehlt ihr für Alexander Schriebls Team die österreichische Staatsbürgerschaft. Die zu erwerben wäre nur möglich, wenn sie ihre deutsche und französische Staatsbürgerschaft abgibt – was sie nicht möchte, wie sie im Gespräch mit dem österreichischen Fußball-Talk „Gelb-Rot“ verriet.
Flexibel auf der Außenbahn einsetzbar
Statt für Österreich tritt Sarah Mattner also nun am Samstag möglicherweise gegen das Nationalteam des Landes an, in dem sie lebt und spielt. Dass es so kommen könnte, dürfte unter anderem daran liegen, dass Mattner – wie Carlotta Wamser und Franziska Kett – Christian Wücks Wunschprofil auf den Außenbahnen vermutlich sehr nahe kommt.
In der österreichischen Liga spielt die 22-Jährige, die 2022 mit der Fritz-Walter-Medaille in Bronze ausgezeichnet wurde, meist im Angriff auf Linksaußen. In der deutschen U23 hingegen kommt sie häufig als Rechtsverteidigerin zum Einsatz. Eine Defensivkraft mit Offensivdrang. In der Abwehr vermisse sie zwar manchmal das Toreschießen, gibt Mattner zu. Dennoch habe sie sich mit der Position angefreundet: „Hauptsache ich spiele.“ Eine Einstellung, die Wück sicher zu schätzen weiß.
Sollte der Bundestrainer Sarah Mattner-Trembleau im WM-Qualifikationsspiel gegen Österreich in Ried (Anstoß Samstag, 18 Uhr) einsetzen, hätte sich die Frage nach einem Nationenwechsel endgültig erledigt.
Titelfoto: IMAGO/Anke Waelischmiller
